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Selcan*

[*Namen verkürzt]
Studentin aus Köln


Selcan ist 24 Jahre alt und wurde in der Nähe von Aachen geboren. Ihre Eltern kommen aus der Türkei. Sie hat in ihrer Geburtstadt das Abitur gemacht. Sie wäre gern Lehrerin geworden, hat aber nicht auf Lehramt studiert, weil sie befürchtete, mit einem Kopftuch nicht als Lehrerin arbeiten zu dürfen. Jetzt studiert sie Islamwissenschaften an der Universität in Köln. Der Islam spielte immer eine wichtige Rolle im Leben von Selcan. Sie kommt aus einer frommen Familie, die aber nicht streng gäubig ist. Im Grundschulalter hat sie auch eine Koranschule besucht. Für sie war der Glaube immer Halt in Ihrem Leben, sie hat sich davon– auch als Mädchen – nicht eingeschränkt gefühlt. Den Wunsch, ein Kopftuch an zu legen hatte Sie bereits in der Oberstufe, aber ihre Eltern haben ihr geraten, es nicht zu tun, um Probleme in der Schule zu vermeiden. Als sie das Studium begann, war es dann so weit; nun ist das Kopftuch für sie Alltag, obwohl sie oft – auch von jungen Menschen – darauf angesprochen wird. Für sie ist es ein Zeichen ihres Glaubens, ihr Freundeskreis besteht aus jungen Menschen aus aller Welt.


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Rajinder*

*Name auf eigenen Wunsch verkürzt
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Rajinder verließ seine Heimat Indien als Kind. Gemeinsam mit seiner Mutter kam er 1992 nach Deutschland. Sein Vater hat Indien schon Jahre vorher verlassen. Rajinder fiel von Anfang auf, denn er trug lange Haare und einen Turban: das Erkennungsmerkal eines Sikhs. Das kannten seine Mitschüler nicht, deshalb fühlte er sich unwohl. Anfang 20 schnitt er sich die langen Haare ab und war endlich frei. Seine Eltern brachen daraufhin den Kontakt zu ihm ab. Rajinder geht immer noch in den Tempel – nur ohne Turban. Als DJ und Musiker fühlt er sich seiner Heimat Indien noch immer verbunden. Sein zuhause ist aber Deutschland.


013-Arbeitsblatt-Rajinder.pdf.zip


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Sinthuja ARULSINGAM*

*Pseudonym

Sinthuja Arulsingam ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern haben in den 1980er Jahren ihr Heimatland Sri Lanka verlassen. Sie legen großen Wert auf die Tradition ihres Heimatlandes. Deshalb suchen sie einen Tamilen als Ehemann für ihre Tochter.
Ihr Vater kam 1984 und ihre Mutter 1986 nach Deutschland. Seit Sinthuja 18 ist, suchen die Eltern einen Mann für sie. Doch Sinthuja wehrt sich gegen die Zwangsheirat. Sie lebt nicht mehr bei ihren Eltern, sondern studiert Biologie in Köln.
Sinthuja und ihre Eltern scheinen sich trotz ihrer tamilischen Wurzeln, integriert zu haben. Eigentlich leben sie in einer Parallelwelt. Die Tradition ihres Heimatlandes Sri Lanka bestimmt ihr Leben in Deutschland. Deshalb soll Sinthuja einen Tamilen heiraten, seit sie 18 ist suchen ihre Eltern einen Ehemann für sie. Doch Sinthuja wehrt sich gegen die arrangierte Ehe. Sie lebt heute ohne ihre Eltern in Köln und studiert Biologie. Von ihrem deutschen Freund wissen die Eltern nichts.


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Emmanuel PETERSON

Emmanuel kam mit 9 Jahren aus einer kleinen Stadt in Ghana nach Deutschland. Seine Mutter war bereits vor Jahren nach Deutschland gegangen und schickte der Familie regelmäßig Geld nach Afrika. Emmanuel und seine beiden Schwestern lebten bei Verwandten. Als er 9 Jahre alt war, holte ihn die Mutter nach. Hier angekommen, erkannte er sie am Flughafen nicht; so lange hatten sie sich schon nicht gesehen. Nach und nach raufte sich die Familie zusammen – und Emmanuel gewöhnte sich an das Leben und die Schule in Deutschland.
Im Nachhinein ist er froh, dass er zunächst in so einem so kleinen Ort wie Bochum-Werne gelandet ist. An seiner Schule war er das einzige Kind aus Afrika, niemand sprach seine Sprache. Weil er mit den anderen Kindern schnell in Kontakt kommen wollte, lernte er schnell Deutsch.


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Hamed R.

Hamed ist 30 Jahre alt und im Iran geboren. Seine Familie musste aus dem Land fliehen, weil sein Vater verfolgt wurde. Ihm drohte Gefängnis, weil er ein regimekritisches Buch (kopiert und) verbreitet hatte. Die Familie floh über die Türkei nach Deutschland und beantragte politisches Asyl.
In den ersten Monaten lernte er deutsch, so dass er zur Schule gehen konnte. In seiner Schulzeit wurde er oft gefördert, hat aber auch oft die Erfahrung gemacht, dass die Menschen Vorurteile gegenüber jungen Männern aus islamischen Ländern haben. Leider oft auch Lehrer.
Obwohl Religion in seinem Privatleben keine große Rolle spielt, ist er oft konfrontiert mit den Vorurteilen gegenüber dem Islam. Der alltägliche Rassismus nervt ihn und er wünscht sich, dass die Menschen in Deutschland gemeinsam die wirklichen Probleme des Landes angehen sollten – „Immer noch werde ich in Deutschland nach so vielen Jahren wie ein Alien behandelt.“


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Elide CARESTA


Elide Caresta kam 1967 nach Deutschland, eigentlich sollte es nur die Hochzeitsreise sein. Doch da ihr Mann bereits hier Arbeit hatte, blieb sie. Sie fing an, als Näherin in einer Fabrik in Duisburg zu arbeiten, bekam zwei Kinder und gewöhnte sich allmählich an Deutschland, auch wenn es am Anfang viele Sprachbarrieren und Orientierungsprobleme gab. Die deutsche Küche empfand sie als fade und geschmacklos. Auch gab es damals noch nicht so viele italienische Geschäfte, so dass sie für echte italienische Nudeln von Duisburg nach Köln fahren musste. Duisburg erschien ihr gegen ihr sonniges Dorf in den Abruzzen dunkel und grau. Das Schlimmste für sie war jedoch, weit weg zu sein von der Familie in Italien. Nur in den Sommerferien kehrte sie dorthin zurück.
Heute, nach über 40 Jahren, lebt sie mit ihrer Familie immer noch in Duisburg.


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Adalet SAL


Als 7-Jährige kam Adalet Sal 1977 aus einem kleinen türkischen Dorf mit ihrer Mutter und ihrer Schwester nach Köln-Nippes. Ihr Vater arbeitete damals schon seit Jahren als Produktionshelfer bei Ford. Als er nur drei Jahre später starb, mussten die Kinder schnell erwachsen werden und auf eigenen Füßen stehen. Mit 15 Jahren heiratete Adalet Sal freiwillig einen türkischen Jungen und bekam drei Jahre später ein Kind. Sie arbeitete zunächst als Montagehelferin, damit ihr Mann studieren konnte. Die Arbeit gefiel ihr und sie entdeckte, dass sie technisch begabt war. ihre Begabung für Technik. Sie machte schließlich eine Ausbildung zur Industriemechanikerin und bediente und reparierte daraufhin vollautomatische Anlagen. Als ihr diese Tätigkeit zu langweilig wurde, bildete sie sich auf der Abendschule zur Maschinenbautechnikerin fort – neben Vollzeit-Job, Kind und Haushalt. Stets behauptete sie sich als Frau und Migrantin in einer Männerdomäne. 2001 machte sie sich als Konstrukteurin selbstständig. Heute arbeitet sie in einem ca. 100-köpfigen internationalen Team für Ford, ist beteiligt an der Konstruktion neuer Autos und sagt: „Ich bin eigentlich stolz auf mich.“


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Francesco D’AVINO

Francesco d’Avino kam 1958 mit 18 Jahren aus Italien nach Deutschland, um Geld zu verdienen. Die ersten Jahre arbeitete er bei Zirkus Krone und reiste durch Deutschland. Nach ein paar Jahren ließ er sich im Ruhrgebiet nieder und fand als Zimmermann eine Anstellung im Baugewerbe. Arbeiter für den Wiederaufbau in Deutschland waren damals begehrt. Später gründete er eine Familie: Seine Frau reiste aus Italien nach und sie bekamen zwei Töchter. Francesco d’Avino war es sehr wichtig, dass die beiden das Abitur machen, denn sie sollten es hier besser haben als er. Beide Töchter haben in Deutschland studiert – darauf ist er sehr stolz.


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Paul KOBELEV

Schüler aus Köln
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Paul Kobelev ist 2001 mit seiner Familie aus Russland ausgewandert, um der Armee zu entkommen. Er freute sich auf Deutschland und ihm war klar, dass er nicht mehr nach Russland zurückkehren würde. Er wollte in die Großstadt. Die Behörden schickte die Familie nach Aachen. Aber schon für den Deutschkurs pendelte er zwischen Aachen und Köln. Für seinen Realschulabschluss zog er schließlich nach Köln. Endlich in einer Großstadt: Leute aus der ganzen Welt, Punks oder Homosexuelle. ‚So etwas gab es in Russland nicht.‘ Nach dem Wirtschaftsgymnasium, das er zur Zeit noch besucht, möchte er studieren und Designer werden. Heute bezeichnet er sich als Weltbürger und würde, sollte er hier keine Arbeit finden, auch nach China gehen – lieber jedoch nach Spanien.


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Jamila*


Schülerin aus Münster [1. Pseudonym, Namen auf Wunsch geändert]
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Als der Krieg in Tschetschenien 1994 ausbrach und russische Truppen nach Grosny einmarschierten, veränderte sich das Leben von Jumila radikal. Sie war damals 7 Jahre alt. 1999 schließlich flüchtete die Familie aus dem Land, um ihr Leben zu retten. Mit einem Minibus kamen sie nach Deutschland, nach Münster. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt und so entschlossen sie sich nach Norwegen weiter zu ziehen. Sie hatten gehört, dass in diesem Land Asylsuchende aus Tschetschenien eher anerkannt werden. Nach 10 Monaten kehrten sie auf Einladung der Behörden wieder nach Deutschland zurück, wiederum nach Münster. Für Jamila ist Tschetschenien ihre Heimat geblieben, obwohl sie sich mittlerweile hier ganz gut eingelebt hat. Manchmal würde sie eben gerne auf die Straße gehen und ihre Muttersprache sprechen, sie würde dort die Nachbarn kennen oder könnte ins Kino gehen und einen tschetschenischen Film sehen. Doch in ihrer Heimat ist immer noch Krieg – und Tschetschenien mittlerweile ein Trümmerhaufen und das Leben dort ein Albtraum.


008-Arbeitsblatt-Jamila.pdf.zip


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Arifien MUSNADI


Journalist aus Bergisch-Gladbach
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‚Meine Jugend war geprägt vom Befreiungskampf‘, sagt Arifien Musnadi, der 19 Jahre alt war, als sein Heimatland Indonesien 1949 von den niederländischen Kolonialherren unabhängig wurde. Vorher war er Partisanenkämpfer gewesen. Ihn zog es hinaus in die weite Welt: Anfang der 50er-Jahre kam er nach Deutschland, um in Münster zu studieren: ‚Überall bekam ich Freibier und wurde mit offenen Armen empfangen. Da waren wir Migranten noch Exoten‘, erinnert er sich.
Als Korrespondent einer indonesischen Presseagentur lebte er von 1960 an in Köln, wo er auch seine Frau, eine Deutsche, kennen lernte. Mit der Suharto-Diktatur Mitte der 60er-Jahre in Indonesien kam das berufliche Aus für den politisch engagierten Journalisten – er schlüpfte in die Rolle des Hausmannes, kümmerte sich um Kinder und Haushalt, während seine Frau den Lebensunterhalt für die Familie verdiente. Später fand er Arbeit in einer großen Bibliothek. Heute lebt Arifien Musnadi mit seiner Familie in einem kleinen Ort bei Köln.


(‚Biografisches Arbeitsblatt‘ hier zur einzelnen Person; die zusammenhängenden Unterrichtsmodule – oft mit mehreren Personen – stehen unter ‚Unterrichtsmodule‘)

004-Arbeitsblatt-Arifin-MUSNADI.pdf.zip


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Rangin Dadfa SPANTA


ehem. Student aus Aachen und Außenminister von Afghanistan (2006-2010)
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Ursprünglich wollte Rangin Dadfar Spanta nur vier Monate in Deutschland bleiben, um eine Zeitung für den Widerstand in Afghanistan aufzubauen. Doch dann änderte er seine Meinung und wollte nicht zurück in den bewaffneten Kampf nach Afghanistan. Stattdessen ließ er sich mit seiner Familie in Aachen nieder, machte Karriere als Akademiker und engagierte sich auf lokaler Ebene politisch.
Erst nach 25 Jahren, nach dem Fall des Taliban-Regimes, konnte er zum ersten Mal wieder in sein Heimatland einreisen. Seitdem arbeitet er mit an dem Wiederaufbau seines Landes. So befriedigend diese Arbeit ist, so sehr vermisst Rangin Dadfar Spanta es manchmal, in einem Café auf dem Marktplatz in Aachen einen Kaffee zu trinken – ohne Angst, Unsicherheit und Bodyguards. Rangin Dadfar Spanta war 2006 – 2010 Außenminister Afghanistans.


014-Arbeitsblatt-Rangin-DADFAR-SPANTA.pdf.zip


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Ali CAN


Bergarbeiter, Lkw-Fahrer und Kioskbesitzer aus Düsseldorf
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Ali Can wurde in einem kleinen Fischerdorf an der Ägais geboren. Ein ruhiger und idyllischer Ort, alle Familien kannten sich und pflegten die Traditionen; ein Alptraum für einen jungen Mann wie Ali, der Geld verdienen, die Welt sehen und Mädchen kennen lernen wollte. Nach Deutschland wollte er, „nur für ein, zwei Jahre und als reicher Mann zurückkehren“, wie all die anderen „Gastarbeiter“. Die fuhren weg mit nur einem Koffer und kamen zurück in einem Auto, mit Radios und Kassettenrekordern. Sieben Tage dauerte die Reise im Zug von Istanbul nach Essen. Zeit genug, um sich das Paradies auszumalen, das er erwartete. Um so größer war der Schock, als er erst in Essen erfuhr, dass er nicht als Dreher eingesetzt werden sollte, sondern unter Tage, im Kohlebergwerk. Harte Schichtarbeit, Männerwohnheim, erstes Auto, Heimaturlaub – ein Lebensverlauf, der typisch zu sein scheint für viele junge Arbeitsmigranten aus Südeuropa. Aber auch ganz untypisch und individuell: Mit der ersten deutschen Freundin, vielen durchgefeierten Wochenenden in der Düsseldorfer Altstadt, Heirat einer Frau aus seinem Dorf, das aufregende Leben als junger Vater und schließlich Arbeitslosigkeit und Hartz IV. Seit September 2006 lebt Ali Can wieder in seinem kleinen, übersichtlichen Heimatdorf in der Ägäis.


002-Arbeitsblatt-Ali-CAN.pdf.zip


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Maya AUWAD

Maya El Auwad ist 26 Jahre und macht im Moment ihr Referendariat in Berlin. Zuvor hat sie in Münster Jura studiert. Geboren und aufgewachsen ist sie in Aachen. Mayas Vater ist Syrer, so dass sie von Anfang mit der arabischen Kultur und der Sprache aufgewachsen ist. In den großen Sommerferien haben sie immer die Großfamilie in Syrien besucht, so dass das Land und die Sitten Maya nicht fremd sind. Mit dem Leben in mehreren Kulturen, Sprachen und Regionen ist sie von Anfang an vertraut und glaubt auch, dass sie das entscheidend geprägt hat. Nicht zu letzt in ihrer Berufswahl: In ihrem Jura- Studium hat sie vor allem internationales Recht interessiert. Sie hofft, dass ihre Mehrsprachigkeit und ihre interkulturelle Kompetenz ihr später bei der Jobsuche helfen werden.


010-Arbeitsblatt-Maya-El-AUWAD.pdf.zip


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Noemi RAZ


Lehrerin aus Köln
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Noemi Raz wurde in Tel Aviv geboren, für sie die schönste Stadt der Welt, die westlichste Stadt Israels, mediterran, kulturell- und weltoffen. Ihre Eltern waren 1939 von Wien nach Palästina geflohen, auf einem uralten Schiff, einem „Seelenverkäufer“. Sie wuchs voller Hass und Misstrauen gegen die Deutschen auf, war eine stolze Israelin, die das Land mit aufbauen wollte. Als ihre Eltern ihr mitteilten, dass sie nach Deutschland auswandern wollen, war die 14-Jährige schockiert, sie konnte ihre Eltern nicht verstehen. An die Überfahrt kann sie sich nicht erinnern, weinte aber Tage und Nächte lang, konnte sich an das „graue Deutschland“ nicht gewöhnen, das Leben im „verhassten Naziland“ war eine Qual. Bis heute kann sie ihren – längst toten – Eltern nicht verzeihen, dass sie sie aus ihrem Leben in Tel Aviv heraus gerissen haben.
Obwohl Noemi Raz fest vorhatte, sofort nach dem Abitur nach Israel zurückzukehren, lebt sie immer noch in Deutschland. Zunächst blieb sie der Liebe wegen hier, dann weil sie ein Kind hatte, später wegen der Arbeit. Mittlerweile lebt ihr Sohn als Arzt in Tel Aviv, und sie besucht die Stadt regelmäßig.


011-Arbeitsblatt-Noemi-RAZ.pdf.zip


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Derya JALAL


Schülerin aus Herzogenrath/Aachen
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Derya Jalal in Kirkuk/Irak geboren und aufgewachsen. In Kirkuk leben überwiegend Kurden und auch ihre Familie ist kurdischer Abstammung. Ihre Kindheit beschreibt Derya als glücklich und sorgenfrei. Als jedoch ein Film über das Leben von Jesus von ihrem Vater erschien, wurde die Familie von radikalen Muslimen politisch verfolgt und bedroht. Männer überfielen das Haus, beschimpften die Familie als anti-muslimisch und schlugen sie und ihre Mutter. Der einzige Ausweg war, das Land zu verlassen. Die Familie nahm eine tagelange, gefährliche und anstrengende Fahrt im Laderaum eines LKWs in Kauf, um nach Deutschland zu gelangen. Hier beantragten sie Asyl. Ihnen wurde Herzogenrath bei Aachen als vorläufiger Aufenthaltsort im Asylantenwohnheim zugewiesen. Heute hat die Familie immer noch den Status der Duldung und jeden Tag kann die Abschiebung kommen. Derya hat sich jedoch mittlerweile in Deutschland gut eingelebt. Sie hat Freunde hier und will die Schule beenden, um eine Ausbildung als Arzthelferin zu machen. Eine Rückkehr in den Irak fände sie auf der einen Seite schön, da sie ihre Verwandten vermisst, andererseits ist es dort noch immer zu gefährlich. Sie will hier bleiben, auch wenn ihre eigentliche Heimat, ihr Zuhause, der Irak ist.


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Lester Cano ALVAREZ


Künstler und Filmemacher aus Köln
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Für die Revolution, für Che und für seinen Großvater ging Lester Cano Alvarez mit 17 Jahren zur berühmten kubanischen Militärakademie nach Matanzas. Nach zwei Jahren war er sich jedoch sicher, dass er nicht länger nur Befehle ausführen und Soldat sein wollte. Für diese Entscheidung musste er ins Gefängnis. Eine Sondergenehmigung ermöglichte Lester Cano Alvarez das Studium der Kunstgeschichte in Havanna. Durch einen Zufall begegnete ihm Jeanette aus Deutschland. Es wurde daraus eine Liebesgeschichte.
Über seinen ersten Eindruck von Deutschland berichtet Lester: ‚Ich dachte, ich wäre in einer PlayStation – ich dachte, ich wäre nicht in der wirklichen Welt – es war wie eine Überrealität.‘ Lester kehrte zunächst wieder nach Kuba zurück, um sein Studium zu beenden. Jeanette und er heirateten – heimlich und in Kuba -, damit er legal in Deutschland leben konnte.
Die erste Zeit in Köln war nicht leicht. Er musste die Sprache lernen. Außerdem war er auf Jeanettes Geld angewiesen und fühlte sich nicht zugehörig – weder zu den Deutschen, noch zu den Kubanern. Durch das Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln und vor allem durch die Geburt seiner Tochter begann er, sich in Deutschland heimischer zu fühlen. Jetzt kann er sich sogar vorstellen auch in Zukunft in diesem Land zu leben.


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‚ANNA aus Polen’*


Putzfrau aus Köln [1. Pseudonym]
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‚Du musst Deutsch lernen! Man weiß nie, wann der nächste Krieg kommt‘, sagte die Großmutter zu Anna, da war sie noch ein kleines Kind. Als sie 20 Jahre später in Deutschland Tag und Nacht in einer Cafeteria für wenig Geld arbeitete, dachte sie: ‚Oh Gott, wo bin ich nur gelandet?!‘ Sie war für drei Wochen ‚Urlaub‘ nach Deutschland gekommen, um die Renovierung ihrer ausgebrannten Wohnung in Polen zu finanzieren. Doch das Geld, das sie in den drei Wochen verdient hatte, reichte nicht aus und sie entschloss sich, wieder nach Deutschland zu gehen. In Polen hatte sie zuletzt als Chefin der Zimmermädchen im besten Hotel der Stadt Leszna gearbeitet. In Deutschland verdient sie mittlerweile ihr Geld als Putzfrau: ‚Das würde ich in Polen nie machen!‘ Die körperliche Arbeit ist anstrengend. Anna ist oft krank, aber sie hat keine Krankenversicherung, auch keine Arbeitserlaubnis. Die Illegalität bereitet ihr Probleme: ‚Es ist als wärst Du nicht auf dieser Welt‘, sagt sie.
Ihre Zukunft sieht Anna in Polen, sie möchte irgendwann wieder zurück – vielleicht mit 50 Jahren. Doch sie weiß auch, dass das bis dahin zusammengesparte Geld nicht lange reichen wird.


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Mona YAHIA

Schriftstellerin und Künstlerin

Mona Yahia lebte als Tochter einer jüdischen Familie in Bagdad. Nach dem Sechs-Tage-Krieg zwischen Israel und Ägypten, Jordanien und Syrien 1967 und dem Putsch der Baath-Partei im Irak 1968 begann die Verfolgung der Juden im Irak. Daraufhin floh die Familie der Schriftstellerin nach Israel. Mona Yahia nahm die israelische Staatsbürgerschaft an und leistete ihren Militärdienst. Später studierte sie Psychologie und französische Literatur. Sie ging ein Jahr nach Paris, kehrte für sieben Jahre nach Israel zurück, beendete dort ihr Studium und begann zu malen. Die Kunstbewegung der „Neuen Wilden“ zog sie nach Deutschland. Hier studierte sie bei Harry Kramer in Kassel. Später kam das Schreiben dazu. Heute lebt Mona Yahia als Schriftstellerin in Köln und hätte am liebsten einen Zweitwohnsitz in New York oder London.


018-Arbeitsblatt-Mona-YAHIA.pdf.zip


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